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Keine Hoffnung für den Schwimmsport

Ein Kommentar von Ulrich Link

von Ulrich Link

Trainer, Vorsitzender von SFD Schwimmsport Fulda e.V. und Inhaber des LFD Swim-Team

ulrich@lfd-swim-team.com


Leere Schwimmbecken in Hessen / Foto: LFD Swim-Team
Leere Schwimmbecken in Hessen / Foto: LFD Swim-Team

Fulda - Immer neue Regeln, immer neue Widersprüche, immer neue Ausnahmen: So geben die Regierenden dem Sport weder Halt noch Hoffnung. Wenn nichts passiert, steht der Schwimmsport vor dem Aus...


Seit bald einem Jahr beschäftigt sich der Schwimmsport mit Corona, und die Sehnsucht nach Normalität wächst ins Unermessliche. Der Daueralarm ermüdet, alles wirkt volatil: die Erkenntnisse über das Virus und den Verlauf der Krankheit, eine Hoffnung auf ein Ende der Gefahr durch Immunisierung nicht in Sicht. Konstant sind nur die ernsten Gesichter derer, die neue Zahlen interpretieren oder neue Verordnungen zu erklären versuchen. Die Politik wirkt immer ratloser, zieht sich in der Flut schlechter Nachrichten zurück an den einzigen Ort, der ihr sicher erscheint: Auf einen wachsenden Berg voller Verordnungen, Regeln, Ausnahmen und Gesetze. Der Sport insgesamt sowie der Schwimmsport geraten dabei in Vergessenheit!


Die Politik hält sich an Paragrafen fest, wie ein Ertrinkender der einen Halm umklammert. Den Sportlern, die sie mal dringend erreichen und ansprechen müssten, gibt das alles keinen Halt. Immer neue Widersprüche führen zu immer mehr Ausnahmen - und die zu neuen Widersprüchen. Die Schwimmbäder sind weiter geschlossen, bis heute ist kein einziges mal geklärt worden, ob vom Schwimmsport (Schwimmen im Chlorwasser) eine Gefahr ausgeht. Die Politik macht offensichtlich keinen Unterschied zwischen öffentlichem Badbetrieb und Schwimmsport. Sinn und Ziel der Regeln geraten so immer mehr aus dem Blick, die Regel selbst wird zum Zweck und zum Symbol der Verzweiflung.


Ständig neue „härtere“ Beschränkungen weichen die eigentliche Botschaft auf. Es kommt nicht darauf an, ob der „Bewegungsradius“ eines Hotspot-Bewohners 15 Kilometer beträgt, 17 oder 18. Es schadet unseren Kindern und Jugendlichen Ihnen soziale Kontakte und Sport zu verbieten. Wir grübeln darüber, ob ein Geschwisterpaar einen Freund/Freundin empfangen darf. Der Freund die Freundin aber nicht das Geschwisterpaar. Es ist unglaubwürdig jungen Sportlern, durch weitgehende Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen bis ins Intimste hinein Sicherheit vorzugaukeln, das Schwimmtraining, den Sport zu verbieten und sie dann aber weiter in vollen Schulklassen zu unterrichten und in überfüllten Bussen zur Schule zu transportieren.


Auf das Verhalten jeden einzelnen kommt es an...


Keine Frage ist, die Pandemie und das Virus sind sehr gefährlich, für die einen mehr für die anderen weniger. Aber eines muss gesagt werden: Es ist in dieser Pandemie nicht entscheidend, was wir dürfen, sondern was wir tun, oder eben: was wir lassen. Es macht auch keinen Sinn, wenn Vereine Bäderbetriebsgesellschaften -die lediglich Verordnungen umsetzten- öffentlich in der Presse kritisieren und dabei den Anschein erwecken: Hauptsache meine Sportler können schwimmen, was geht mich die Gesundheit der anderen an. Solche öffentliche Apelle in der jetzigen Zeit wirken naiv unkompetent und Schaden dem Schwimmsport mehr als Sie nützen. Sinn und Zweck scheint wohl nur wieder mal eine Ausnahme für den eigenen Verein zu erreichen. Das Ergebnis: Je detaillierter das Dürfen geregelt wird, desto leichtfertiger wird es auch ausgereizt bis zum Anschlag - und ohne wirksame Kontrolle auch gerne darüber hinaus. So war es in der Vergangenheit mit wöchentlichem Seitenhieb gegen andere aktive Vereine in der Region, die nicht trainieren durften.


Es kann nicht sein, das der eine Schwimmverein in einer Region schwimmt und trainiert, weil er laut in der Presse einmal wöchentlich trällert. Gleichzeitig wird es anderen verboten. In einer Region wird das Schwimmbad geöffnet zum trainieren, in anderen Regionen wird es geschlossen. Es ist ein Fehler, sich in der Pandemie zu sehr auf solche Details zu fixieren und Lücken auszutesten oder 100 Kilometer zu reisen um doch trainieren zu können, während die Politiker in der Region verzweifelt versuchen das die Bürger weiter zusammen halten. Verantwortung eines Vereinsvorsitzenden müsste anders aussehen.


Paradoxerweise hat die regierende Politik einige große Chancen verpasst, die wertvollste davon: das Vertrauen der Sportler / Bürger in ihr Handeln. Die Bereitschaft die Pandemie gemeinsam zu bezwingen, war größer, als die Politik offenbar selbst zu hoffen wagte. Alle Umfragen seit Beginn der Pandemie zeigen, dass die Bereitschaft der Mehrheit, sich einzuschränken, viel größer war, als die lautstarken Skeptiker suggerierten. Aber wenn die Politik sich nur damit beschäftigt Ausnahmen für die einen und Verbote für die anderen zu formulieren, den Leuten nicht traut, trauen sie sich selbst nichts mehr zu, und dann, erst dann, verlieren die Leute auch ihr Vertrauen in die Politik.


Seit Montag 11. Januar gelten in Hessen neue Corona-Verordnungen. Die Verschärfungen sollen bis mindestens 31. Januar gelten. Ein Lichtblick am Horizont könnte die Äußerung von Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz (CDU) und Tübingens Bürgermeister Boris Palmer (Grüne) sein, diese haben dazu offensichtlich eine Andere Meinung. Sie fordern das Anfang Februar die Läden kontrolliert wieder aufmachen, so berichte Osthessen-News. Dies könnte eine Chance für den Schwimmsport, sowie den Sport allgemein sein. Kontrolliert mit entsprechenden Hygienekonzepten das Training wieder hochzufahren, selbstverständlich ohne Vorteile für den einen und/oder Nachteil für den anderen. Ein weiter, mit weiteren Lockdowns wird für den auf der Intensivstation befindlichen Schwimmsport das endgültige AUS bedeuten...


www.swim-hessen.de (Ulrich Link)